Wort der Kirchen – 17. 03. 2018 –

Wort der Kirchen – 17. 03. 2018 –

Diakon Andreas Weiß, Katholische Pfarrei St. Burchard, Halberstadt

… die Welt retten …      

Ja, liebe Leserinnen und Leser, unser Land hat endlich wieder eine ordentliche Bundesregierung. Schwer getan haben sich die gewählten Parteien mit der Regierungsbildung. Einige haben sich dann doch lieber aus der Verantwortung gezogen, weil … ja weil wohl mehr das Parteitaktische im Vordergrund stand. Die Verantwortung für unser Land und der Blick für die Menschen, die hier leben, scheint bei manchen Sondierungsgesprächen wenig eine Rolle gespielt zu haben. Die „eigene Haut retten“ – parteipolitisches Kalkül –, war wichtiger. Dabei gibt es doch so viele „Baustellen“ in unserem Land. Die wichtigste wohl - vor wirtschaftlicher und digitaler Infrastruktur-: der soziale Frieden, das gute Miteinander in unserem Land. Immer häufiger erheben entsprechende Fachleute ihre Stimme: Die soziale Schere zwischen Reichen und Armen geht immer weiter auseinander; die soziale Gerechtigkeit in Deutschland bleibt auf der Strecke – trotz boomender Wirtschaft. Wenn z. B. Menschen mit einer Erwerbstätigkeit davon nicht ihre Familie ernähren können – und das werden immer mehr –, andere aber mit diesem Geschäftsmodell das große Geld verdienen, dann ist etwas „faul im Staate …“ Deutschland! Gleichzeitig wird von denen, die viel und reichlich haben, gesagt, wir könnten in Deutschland nicht für „so viele“ geflüchtete Menschen sorgen, das würden wir nicht schaffen. Und die anderen fühlen sich „wie Menschen zweiter Klasse“, da sie nicht so viel Unterstützung bekommen würden wie die geflüchteten Menschen. Diese kommen aber aus zerbombten Ländern, aus Dürregebieten oder Hochwasserregionen, wo durch Krieg, Trockenheit und Wasserfluten ihre Existenz mehr als bedroht ist. Da stellt sich die Frage: Was ist los mit der Gerechtigkeit? … Aber: Was ist eigentlich Gerechtigkeit? – Die einen finden es gerecht, aus ihren Ressourcen einen entsprechenden Anspruch auf Wohlstand ableiten zu können: im eigenen Land die Reichen gegenüber den anderen, und global die reichen Industrieländer. Das könnte als egoistische Gerechtigkeit bezeichnet werden. Wir sehen nicht mehr, wie viele Ressourcen wir uns nicht selber erarbeitet haben.

Jesus aus Nazaret kannte die Not von Tagelöhnern und Bedürftigen seiner Zeit. Er stellt in seiner frohen Botschaft eine andere Gerechtigkeit vor: es sollte doch die Verantwortung der Reichen so weit gehen, dass diejenigen, die von deren Wohl und Wehe abhängen, bekommen, was sie zum Leben brauchen – ohne Wenn und Aber.

Solches wird von vielen als unerreichbares Ideal angesehen. Aber es gibt auch die, die Veränderungen anregen und nach Wegen aus der Gerechtigkeits-Falle heraus suchen. So steht denn auch die diesjährige Fastenaktion des katholischen Hilfswerkes MISEREOR unter dem Titel: Heute schon die Welt verändert? Mich hat dieses Motto an einen Song von Tim Bendzko erinnert: „Muss nur noch kurz die Welt retten“ Er hat sich wohl Gedanken gemacht über die Ungerechtigkeit auf unserer Erde wenn er singt: „…Die Zeit läuft mir davon, zu warten wäre eine Schande für die ganze Weltbevölkerung. Ich muss jetzt los, sonst gibt's die große Katastrophe; merkst du nicht, dass wir in Not sind.“ Die Frage an uns lautet wohl: Wollen wir nur unseren Wohlstand retten? – und empfinden das noch als gerecht. Oder wollen wir tatsächlich die Welt verändern … und dadurch retten? Dann sollten wir zunächst unser Denken ändern – unsere Werte und Sichtweisen … auch über Gerechtigkeit.

Drucken

  • Zuletzt aktualisiert: 28. April 2018

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.