Wort der Kirchen vom 22.09.2012

Wort der Kirchen – 22. 09. 2012 –

Diakon Andreas Weiß, Katholische Pfarrei St. Burchard, Halberstadt

 


unterwegs sein …. 

 

Liebe Leserinnen und Leser,

wenn Sie einmal Ihren Alltag betrachten, wird Ihnen auffallen, dass Sie – wenn dies Ihre Gesundheit zulässt – viel unterwegs sind. Das Unterwegs-Sein gehört zu unser aller Leben dazu. Wohl seit Menschengedenken ist dies so. Wir begeben uns auf tägliche Wege, sind in Bewegung, zum Kindergarten oder zur Schule, zur Arbeit oder in der Freizeit, zum Einkaufen und zu Behörden, vielleicht auch zum Gottesdienst, zum Besuch bei einer/einem Bekannten, wegen Geburtstag oder Krankheit. Unzählige Male sind wir unterwegs in unserem Leben.

Als ich an einem der letzten Dienstage wie üblich in der Stadt zu Fuß unterwegs war, um im Krankenhaus kranke Menschen zu besuchen, passierte es mir, dass ich bereits auf dem Hinweg mehrfach stehen blieb, weil ich jemanden traf und mit ihm dann ein kurzes oder längeres Gespräch führte. Und auch auf dem Rückweg war das so. Als ich dann – zwar verspätet – in mein Büro zu einem Termin kam, musste ich meine Verspätung erst einmal erklären. Auf meinem kurzen Hin- und Rückweg hatte ich zwölf Menschen getroffen und mit manchen über etwas gesprochen, was sie mir bei häufigeren Begegnungen in kirchlichen Räumen bisher nicht erzählt hatten. Manchmal ist es wohl gut, Menschen einfach unterwegs, in ihrem Alltag, zu treffen und dann Zeit zu haben für den anderen. Vielen geht es so, dass sie andere auf ihren Wegen treffen und dann erzählen und erzählen ..., weil sie Zeit haben.

Wie viele haben aber keine Zeit – geben das zumindest vor. Sie hetzen von einem Termin zum nächsten, an anderen Menschen vorbei, ständig in Bewegung und Eile, zwar in Bewegung, aber im starren Korsett eigener Festlegungen gefangen.    

Dabei meinte unterwegs sein früher nicht die Bewegung von einem Ort zum anderen und beweglich sein wurde nicht dafür verwendet, seine Lage ändern zu können, sondern beides stand dafür, seine innere Position zu ändern. Beweglich ist, wer sich immer wieder auf eine neue Situation, auf unterschiedliche Menschen einstellen kann, wer sich mit neuen Gedankengängen auseinandersetzen kann und will. Der ist dann geistig gut unterwegs.

Von Jesus ist das überliefert. So hören wir am morgigen Sonntag im Evangelium gleich am Anfang des Textes den unscheinbaren Satz: In jener Zeit zogen Jesus und seine Jünger durch Galiläa. Immer wieder wird solches von Jesus berichtet: seiner Sendung treu, geht er durch’s Land und immer wieder auf Menschen zu, überschreitet dabei Grenzen seiner Zeit – auch religiöse (seine Aufenthalte außerhalb von Galiläa und Judäa, z. B. in Samaria, in Sidon und Tyros, im Gebiet der griechischen Dekapolis, stehen sinnbildlich dafür). Da werden aber nicht nur Ortwechsel erwähnt, sondern es wird klar, dass Jesus sich immer wieder auf ganz unterschiedliche Menschen – z. B. auf Kranke, sozial und religiös Ausgegrenzte, auf die Einflussreichen und Mächtigen – einstellen musste, um ihnen wirklich zu begegnen. Und er nahm sich die Zeit … auch wenn Unvorhergesehenes passierte.

Sind wir bereit, beweglich – flexibel – zu sein, wenn wir unterwegs jemandem begegnen? Sind wir bereit zum guten Wort, zum Hinhören, zum kurzen Plausch, zur ganz alltäglichen Begegnung – unterwegs – einfach so?

Viele Menschen sehnen sich wohl danach, so beweglich sein zu können. Und es verwundert nicht, dass heute so viele dieses einüben wollen … zu Fuß, beim Pilgern. Das ist wohl nicht nur eine Modeerscheinung, sondern wäre für manchen dringend notwendig im Leben.   Manchmal müssen wir einfach raus aus der Starre unseres Lebens, unseres Tuns und Denkens, um wieder beweglich zu werden; um wieder gut unterwegs sein zu können; um zunächst uns selbst und dann auch anderen wirklich begegnen zu können. Als Pilger unterwegs zu sein heißt, mit ganz wenig sich beweglich auf immer Neues einzulassen. Dazu passend lese ich seit einigen Tagen zuhause auf einem unserer Kalender das Zitat von John Henry Newman (Geistlicher des 19. Jh.): Leben heißt sich verändern. Vollkommen sein heißt, sich oft verändert zu haben. Haben Sie den Mut dazu, damit Sie gut unterwegs sein können!

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  • Zuletzt aktualisiert: 23. September 2012

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