Wort der Kirchen vom 26. 05. 2012

Wort der Kirchen – 26. 05. 2012 –

Diakon Andreas Weiß, Katholische Pfarrei St. Burchard, Halberstadt

 


Wollen diese eine Firma gründen? 

 

Liebe Leserinnen und Leser,

sind Sie auch von etwas begeistert? Und wovon sind Sie begeistert?

Mich begeistern z.B. Menschen, die etwas bewegen, die etwas in der Weltgeschichte vorangebracht haben. Menschen, die selber begeistert waren, die einer Idee nachgingen oder auf Fragen neue Antworten suchten. Viele wollten das Leben der Menschen verbessern, durch ihre Gedanken, durch ihr Tun, durch ihre Erfindungen …

Im 19. Jahrhundert – zur Zeit stürmischer technischer Entwicklungen – lebten z.B. Menschen, die buchstäblich etwas in Bewegung gebracht haben – und heute werden wir dadurch immer noch bewegt: Rudolf Diesel und Nikolaus Otto. Beide tüftelten an der Verbesserung von Motoren für den Antrieb von Maschinen. In einfachen Hinterhof-Werkstätten waren sie ihrer Idee auf der Spur und ließen sich davon nicht abbringen, konstruierten, bauten, versuchten und veränderten … bis ihnen der Durchbruch gelungen war. Später gründeten sie, wie andere Erfinder auch, eine Firma, in der sie ihre Produkte herstellen ließen, um diese vielfältig nutzen zu können. Und aus ihrer Motorenproduktion entwickelten sich Fahrzeugfirmen mit Namen, die z.T. heute noch in Benutzung sind. „Gründerzeit“ wird diese Zeit genannt. Felsenfest waren diese Leute vom Neuen überzeugt, so dass sie mit ihrer Erfindung sogar Geld verdienen und ihr Leben unterhalten wollten. Und sie gingen deshalb auch rechtskräftige Verträge und Abmachungen ein, durch ihre Unterschrift bekräftigt und bestätigt. Das bedeutet firma im ursprünglichen Wortsinn.  

Um eine Firmengründung geht es den jungen evangelischen und katholischen Christen nicht, die in diesen Tagen in den evangelischen Kirchen konfirmiert werden bzw. die sich am Pfingstmontag in der katholischen St. Andreas-Kirche von Bischof Gerhard Feige firmen lassen. Obwohl in Beidem – Konfirmieren und Firmen – auch das Wort firmare steckt.

In beiden Fällen bedeutet es, dass junge Christen bekräftigen, sich für die Sache Jesu begeistern lassen zu wollen. Mit dem Geist Gottes wollen sie aufbrechen zu Neuem, wie die Erfinder, die nicht bei Altem stehen blieben und sich mit bisherigen Lösungen zufrieden gaben. Sie sind Kinder ihrer Zeit, aber sie werden alte Zeiten mit ihren Vorstellungen hinter sich lassen. Sie machen sich auf, um als Menschen im Glauben an die frohe Botschaft Jesu zu wachsen. Und sie wollen für diese Botschaft ihr Leben mit und in der Kirche an eben diesem Jesus ausrichten und immer neu gestalten. Auch wenn dies schwierig erscheint und Gegenwind ihnen ins Gesicht bläst, so werden sie doch unterstützt und angetrieben durch einen „Rückenwind“, durch den Sturm des Geistes Gottes, wie der Evangelist Lukas das Geschehen an Pfingsten beschreibt.   

Obwohl die jungen Christen keine Firma gründen wollen, so haben sie als Gefirmte und Konfirmierte mit einem Firmengründer einiges gemein. Sie sind auf der Suche; noch nichts ist fertig. Und die Suche nach Gott wird in ihrem Leben nie abgeschlossen sein.

Auch sie gehen ein Wagnis ein – das Wagnis einer zukünftigen Kirche; geleitet vom Heiligen Geist … ergebnisoffen! Mit diesem Geist besiegelt gehen sie voran in ihr Leben, mit dem sie nicht in ihrer Zeit verharren wollen. Sie wollen sich leiten lassen vom Geist Gottes, der manches anders fügt, als Kirche es sich heute träumen lässt – so manche Sicherheit aufgebend und sich auf Jesus, den Christus, verlassend.

Im Gegensatz zum Firmengründer haben sie jedoch eine Garantie: Die Liebe Gottes, die ihnen für immer zugesagt ist und bleibt.

P.S. ... dieser Geist der Liebe hat auch schon vieles bewegt in der Menschheitsgeschichte.

Auch Ihnen, liebe LeserInnen, wünsche ich deshalb diesen Geist der Liebe für Ihr Leben!       

   

 

firm: „fest, sicher, gut beschlagen (in einem Fachgebiet). Das Adjektiv wurde im 18. JH. aus lat. firmus „fest, stark, tüchtig, zuverlässig“ entlehnt. Von ‚firmus‘ abgeleitet ist das Verb lat. firmare „festmachen, befestigen; bekräftigen; bestätigen“ mit der gleichbedeutenden Zusammensetzung con-firmare in den Fremdwörtern à firmen, Konfirmand, konfirmieren, à Firma, à Farm und à Firmament      

 

Firma: „Betrieb, Unternehmen“: zu lat firmus „stark, fest“ stellt sich das Verb lat. firmare „befestigen, bekräftigen bestätigen“, das gleich lautend im It. erscheint.  Im Sinne von „eine Abmachung, einen Vertrag durch Unterschrift rechtskräftig machen“ wird es in der Handelssprache gebraucht. Das davon abgeleitete Substantiv it. firma „bindende, rechtskräftige Unterschrift eines Geschäftsinhabers unter einen Vertrag bzw. unter einer geschäftlichen Vereinbarung“ wird schließlich zur Bezeichnung eines geschäftlichen Unternehmens oder seines Aushängeschildes. Seit dem 18. Jh. in Deutschland.

 

Firmament: „Himmelsgewölbe“: Das Wort wurde in mhd. Zeit aus spätlat. Firmamentum „Befestigungsmittel, Stütze; der über der Erde befestigte Himmel (bildl.)“ entlehnt, das zu lat. firmare „befestigen“, firmus „fest“ gehört.   

 

Firmen: Durch das Sakrament der heiligen Taufe wird der Mensch in die Gemeinschaft der christlichen Kirche aufgenommen. Später bedarf er einer „Bestätigung“, einer „Festigung“ in dieser Zugehörigkeit. Er wird als Katholik gefirmt oder als Protestant konfirmiert. Beide Wörter ‚firmen‘ und ‚konfirmieren‘ gehen auf das gleiche lat. Verb [con]firmare „festmachen, bestärken“ zurück. Während ‚firmen‘ schon in ahd. Zeit entlehnt wurde, erscheint ‚konfirmieren‘ erst im Mhd. Zu ‚firmen‘ stellen sich die Ableitungen FIRMUNG und FIRMLING. Diesen stehen im evangelischen Sprachgebrauch Konfirmation und Konfirmand (aus lat. con-firmandus „der zu Bestärkende“ gegenüber).   

 

Selbständigkeit – alles in eine Waagschale werfen

Mit einem Geist des Neuen etwas wagen

Anders sein; ausbrechen aus gewohnten Bahnen

Vertrauen haben: Klein anfangen, etwas Großes kann daraus werden

 

Wenn junge Christen, ob nun konfirmiert oder gefirmt, auf den Heiligen Geist vertrauen, dann tritt alles Trennende in den Hintergrund. Dann steht die Botschaft Jesu von Gott, dem liebenden Vater, im Vordergrund.  

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  • Zuletzt aktualisiert: 28. Mai 2012

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