Wort der Kirchen – 24. 03. 2012 –

Diakon Andreas Weiß, Katholische Pfarrei St. Burchard, Halberstadt

 


…, beziehungsweise …

 

Liebe Leserinnen und Leser,

„Tschuldigung!“ – immer mal wieder kommt dieses oftmals schüchtern oder verstohlen gesprochene Wort an unsere Ohren. Oder, etwas bestimmter: „Ich entschuldige mich…!“

In beiden Fällen hat die oder der andere gemerkt, dass sie/er gegenüber einem anderen in Schuld geraten ist. Da ist man zu spät gekommen, und mehrere Menschen hatten warten müssen. Mitten im Stadtgewühle und der eigenen Eile hat man jemanden ausversehen angerempelt: „Tschuldigung!“ oder „Verzeihung!“. Kurz und knapp wollen wir mit diesem Wort eine gestörte Beziehung wieder entlasten. Direkt treten wir mit diesen – sehr knappen – Worten in eine persönliche Beziehung zu einem anderen Menschen.

Und wenn wir uns selber so reden hören, wissen wir auch, dass wir uns ja eigentlich gar nicht selbst ent-schuldigen können. Wir wissen wohl um die richtige Bitte, nämlich: Ich bitte Sie/dich um Entschuldigung!“ Ich bitte um Vergebung dafür, dass ich jemandem gegenüber in Schuld geraten bin, dass ich ihm etwas schuldig geblieben bin.

Weniger üblich und veraltet klingt wohl der Satz: „Erbarme dich meiner!“ oder „Hab Erbarmen mit mir!“. Aus einer lange vergangenen Zeit scheinen diese Sätze zu stammen. Darin klingt vielleicht auch eher noch die Bitte eines Untergebenen mit. Letztlich geht es aber auch um eine rechte Beziehung zu einem anderen Menschen, die in Schieflage geraten ist. Es geht um das Erlassen von Strafe für eine Schuld.

In der Zeit der 40tägigen Vorbereitung auf Ostern beten Christen häufiger den Psalm 51, einem alten Gebet aus der Bibel: „Erbarme dich meiner, Gott ….“ – ob in gesprochener Weise oder vertont als Kirchenlied. Oder wir hören es als musikalisches Werk eines Komponisten alter oder neuer Zeit. Am bekanntesten wohl Gregorio Allegris „Miserere“, das von Mozart  - nachdem er es im Vatikan gehört hatte – aller Welt bekannt gemacht wurde.

Immer schon wussten Menschen, dass es bei der Bitte um Erbarmen um ein personales Geschehen zwischen Menschen, aber auch zwischen Mensch und Gott geht: „Miserere mei, Deus…“ – „Hab Erbarmen mit mir, Gott!“. Es geht dabei um ein Geschenk, dass ich von jemandem erbitte, auch von Gott als Person. - miserere. 

Oft passiert es uns aber auch, dass wir um Vergebung, Erbarmen gebeten werden. Haben wir dann auch Erbarmen? Können wir vergeben?

In der katholischen Kirche begehen wir den morgigen 5. Fastensonntag als Misereor-Sonntag. Misereor  - „Ich erbarme mich“  - so ist ein Hilfswerk der katholischen Kirche seit 1958 benannt, das den Ärmsten der Armen in aller Welt helfen will. Die jährliche Fastenaktion des Hilfswerkes soll den Christen hierzulande die Lebenswelt der Menschen nahe bringen, die unter Armut und Ungerechtigkeit auf unserer Erde leiden müssen. Auch hierbei geht es um menschliche Beziehungen, wenn auch zu Menschen, die mir nicht persönlich bekannt sind. Menschen in den armen Regionen der Erde bitten mich letztlich um etwas von dem, was ich zu viel habe. Und mit ihrer Bitte kommen mir solche Menschen auch nahe in unserer immer „kleiner“ werdenden Welt. Kann ich mich da angesichts der vielfältigen Not auf Erden einfach so ent-schuldigen? Der Misereor-Sonntag soll uns an unser Erbarmen mit anderen Menschen erinnern. Um Erbarmen bitten und Erbarmen mit anderen haben – beides gehört beziehungs-weise zusammen. In der Beziehung zu den Menschen entscheidet sich, ob ich wirklich in einer solch guten Beziehung zu Gott lebe, wie ich vielleicht denke.

Miserere und misereor bringen etwas mehr Wärme in unsere Beziehungen zu anderen Menschen. Und gerade in dieser Hinsicht, so denke ich, könnten wir uns über eine globale Erwärmung freuen, beziehungsweise wir sollten daran mit-tun.

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  • Zuletzt aktualisiert: 27. März 2012

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