Wort aus der Kirche 25.2.2012

Umkehr? Haben wir das nötig?

von Pfarrer Norbert Sommer

Die Faschingszeit ist wieder vorbei. Viele Faschingsfreunde trauern ihr hinterher. Wie sehr hatten sie sich engagiert, hatten durch ihre Büttenreden, ihre Tänze, ihre Lieder anderen viel Freude bereitet.

Nun beginnt eine neue Zeit, eine ganz andere: die Fastenzeit. Schon das Wort „Fastenzeit“ ruft nicht gerade Begeisterungsstürme hervor.

Mit dem Wort „Fastenzeit“ bringen wir sicher zuerst das Wort „Verzicht“ in Verbindung. Und tatsächlich verzichten wir in dieser Zeit auf Dinge, die wir uns sonst gönnen, die uns schmecken…

Aber für die Christen bedeutet Fastenzeit natürlich noch mehr. Es ist auch eine Zeit, in der wir über unser Leben nachdenken sollen und natürlich über unsere Beziehung zu Gott. Wir fragen uns: Können wir so weiterleben wie bisher, ist das optimal, oder müssten wir etwas in unserem Leben ändern? Und wenn wir uns Zeit nehmen, ehrlich über uns nachzudenken, da fällt wohl jedem von uns etwas ein, was er in seinem Leben ändern sollte. Manchmal ist sogar eine Umkehr nötig. Aber das dann in die Tat umzusetzen, fällt nicht immer leicht, zuweilen gehört auch Mut dazu. Aber wenn wir es geschafft haben, dann fühlen wir uns vielleicht wie „neugeboren.“

Mahatma Gandhi hat jedenfalls diese Erfahrung gemacht. Er berichtete: „Ich war 15 Jahre alt, als ich einen Diebstahl beging. Weil ich Schulden hatte, stahl ich meinem Vater ein goldenes Armband, um die Schuld zu bezahlen. Aber ich konnte die Last meiner Schuld nicht ertragen. Als ich vor ihm stand, brachte ich vor Scham den Mund nicht auf. Ich schrieb also mein Bekenntnis nieder. Als ich ihm den Zettel überreichte, zitterte ich am ganzen Körper. Mein Vater las den Zettel, schloss die Augen und dann- zerriss er ihn. ‚Es ist gut‘, sagte er noch. Und dann nahm er mich in die Arme. Von da an hatte ich meinen Vater noch viel lieber.“

Zur Umkehr gehört manchmal schon viel Mut. Aber es lohnt sich. Am Beispiel von Gandhi, der ein Hindu war, wollte ich deutlich machen, dass nicht nur Christen, sondern alle es nötig haben, umzukehren, einer mehr, ein anderer weniger. Die Fastenzeit, wir Christen nennen diese Zeit auch österliche Bußzeit, könnten wir zum Anlass nehmen, über uns nachzudenken und dann die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen. Für die katholischen Christen bedeutet es auch, das Bußsakrament zu empfangen, d.h. zur heiligen Beichte zu gehen, um auch Gott um Vergebung zu bitten für das, was falsch war. Und von Gott wissen wir, dass er ähnlich handelt wie der Vater von Mahatma Gandhi. Das tut einfach gut.

Ich wünsche uns allen, den Mut zur Umkehr, den Mut, über unseren Schatten zu springen.

 

Volksstimme Halberstadt vom 25.2.2012

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  • Zuletzt aktualisiert: 02. Mai 2014

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