Wort der Kirchen, 1.10.2011

drachen

Wort der Kirchen – Volksstimme Halberstadt -01. 10. 2011 –

Diakon Andreas Weiß, Katholische Pfarrei St. Burchard, Halberstadt

 

Traum-Drachen im Wind

 

Liebe Leserinnen und Leser,

Herbst-Zeit ist Zeit zum Drachen fliegen! Allerdings – nicht mehr ausschließlich im Herbst. Freaks lassen diese im Sommer wie auch im Winter fliegen. Oft sind sie über zwei oder sogar vier Leinen mit ihren fliegenden Drachen verbunden, um diese lenken zu können. Aber: Auch heute benötigen wir natürlich (Rücken)Wind zum Drachenfliegen. Und den haben wir ja häufig im Jahr.

Wenn ich so zurück denke in meine Kinderzeit … so manche Bruchlandung bereitete den Flugversuchen sehr schnell ein Ende. Und das nach vielen Stunden des Bastelns. Manchmal flog der Drachen dann endlich – an einer Leine hängend – erhob sich in den Himmel über uns – taumelte hin und her – drehte sich und tanzte in der Luft.

Drachenfliegen ist ein Traum für jedes Kind – damals genauso wie heute!

Aber auch so mancher Erwachsene ist fasziniert von dem (meistens) geräuschlosen Dahingleiten ohne zusätzlichen Antrieb – allein durch den Wind. Für manch Junggebliebenen ist der Kindertraum längst noch nicht ausgeträumt.

 

Was ich gerade in Bezug auf’s Drachenfliegen geschrieben habe, kann jeder von uns auch auf andere seiner eigenen (Kinder-)Träume übertragen. So mancher Traum unseres Lebens ist noch nicht ausgeträumt. Und selbst wenn wir Erwachsene sind, kommen immer wieder Träume hinzu. Manche müssen wir irgendwann als unerfüllbar betrachten und hinter uns lassen; andere dagegen sollten wir ruhig weiter träumen.

Da haben Menschen im Osten und Westen Deutschlands über Jahre hinweg geträumt, dass das Land wieder ein ungeteiltes sein wird. Und ihre Träume haben Früchte getragen dank der zaghaften Anfänge und immer vehementer werdenden Aktionen von wenigen. Die führten dann zu den großen Massendemonstrationen im Herbst 1989. Und wir können dankbar dafür sein, dass damals der Traum auf friedlichem Wege in Erfüllung gehen konnte. Dankbar können wir sein, auch wenn nicht alle persönlichen Träume, die der Blick von Osten über Zaun und Mauer hervorgebracht hatte, in Erfüllung gehen konnten und viele von uns so manche „Bruchlandung“ erleben mussten. 

Und immer noch träumen nicht wenige auf der Erde davon, dass alle Menschen genügend zu essen oder sauberes Wasser haben. Viele bemühen sich darum, dass die Menschheit diesen Zielen ein Stück näher kommt: Gerechte Verteilung der Güter dieser Erde, die uns Menschen – allen Menschen – geschenkt sind. Unsere Dankbarkeit für das, was wir im Übermaß geerntet und an Ressourcen zur Verfügung haben für unser Leben, verpflichtet uns gleichzeitig zum Teilen – damit alle Menschen auf dieser Erde leben können.   

 

So manche unserer Träume haben mit Jesus Christus zu tun. Vielen Menschen hat er zu einem Leben verholfen, von dem sie nicht zu träumen gewagt hatten. Er sprach zu ihnen von einer besseren Welt: einer Welt mit mehr Gerechtigkeit, mit mehr Liebe … und nannte diese: „Reich des liebenden Vaters“. Mit Vater – Abba – so redete Jesus liebevoll Gott an.

Wer von uns träumt nicht auch vom Leben, von einem heilen Leben – oder besser – von einem ganzen Leben? Manches im Leben kann kaputt sein – Bruchlandungen haben wir erlebt, wie bei unseren Drachen. Wir wünschen uns vielleicht, dass unser Leben wieder ganz wird. Mit viel Liebe können wir das hinbekommen; damit ist uns früher das Ganzmachen unserer Drachen auch gelungen. Mit viel Liebe – zu anderen Menschen und auch zum eigenen Leben – kann es uns auch immer wieder gelingen, unser und das Leben anderer Menschen ganz werden zu lassen. Das hat uns Jesus vorgelebt. Durch seine Liebe sind die Träume vieler Menschen in Erfüllung gegangen. Wir brauchen es nur nachzumachen! Dieser Traum ist lange noch nicht ausgeträumt!

Verbunden mit Jesus und mit dem RückenWind seines Geistes können wir auch nach einer Bruchlandung das Leben neu wagen.

 

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  • Zuletzt aktualisiert: 30. September 2011

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